Typische Umgangsregelungen in Deutschland sind das Residenzmodell mit Umgang jedes zweite Wochenende, ein erweiterter Umgang mit zusätzlichen Übernachtungen, das Wechselmodell mit etwa gleicher Zeit und das Nestmodell, bei dem die Eltern statt der Kinder pendeln. Das sind Beispiele, keine festen Formen. Viele Familien mischen sie oder ändern sie, wenn die Kinder älter werden.
Die rechtliche Grundlage ist knapp: Nach § 1684 Abs. 1 BGB hat das Kind das Recht auf Umgang mit jedem Elternteil, und jeder Elternteil ist zum Umgang verpflichtet und berechtigt. Wie das konkret aussieht, regeln Eltern meistens selbst. Im Folgenden schauen wir uns jedes Modell aus drei Richtungen an: wie eine Woche aussieht, was es für die Kinder bedeutet und was es für dein Liebesleben heißt.
Beispiel 1: Residenzmodell mit Umgang jedes zweite Wochenende
So sieht es aus
Die Kinder wohnen bei einem Elternteil. Der andere hat sie jedes zweite Wochenende, etwa von Freitag nach der Schule bis Sonntagabend, dazu oft einen Nachmittag unter der Woche. Ferien und Feiertage wie Weihnachten oder Ostern werden meist gesondert aufgeteilt.
Für die Kinder
Ein klares Zuhause, ein fester Schulweg, der Schreibtisch steht an einem Ort. Der Preis: Mit dem anderen Elternteil ist die Zeit knapp und oft voll mit Ausflügen, weil man die wenigen Tage gut nutzen will.
Für dein Privatleben
Hier gehen die Erfahrungen am weitesten auseinander. Der Elternteil mit den Kindern hat jedes zweite Wochenende frei und sonst kaum einen Abend. Der Umgangselternteil hat viel freie Zeit, aber die Wochenenden mit den Kindern sind heilig. Zwei Menschen in diesem Modell passen besonders gut zusammen, wenn ihre freien Wochenenden auf dieselben Termine fallen.
Typischer Fehler
Der betreuende Elternteil verplant jedes freie Wochenende mit Erledigungen und wundert sich, warum nie Raum für Begegnungen bleibt. Reservier dir an mindestens einem dieser Wochenenden im Monat einen Abend nur für dich.
Beispiel 2: Erweiterter Umgang
So sieht es aus
Die Kinder haben weiter ihren Lebensmittelpunkt bei einem Elternteil, sind aber deutlich öfter beim anderen. Zum Beispiel das Wochenende von Freitag bis Montagmorgen, mit Abgabe direkt an der Schule, und zusätzlich eine Übernachtung unter der Woche.
Für die Kinder
Mehr Alltag mit beiden Eltern: Hausaufgaben, Zähneputzen, Frühstück, nicht nur Freizeit. Die Übergabe an der Schule nimmt Druck raus, weil sich die Eltern nicht an der Haustür begegnen müssen.
Für dein Privatleben
Die freien Zeiten werden kleinteiliger. Es gibt weniger lange kinderfreie Blöcke, dafür regelmäßige einzelne Abende. Für Dates heißt das: eher der feste Dienstag als das lange Wochenende.
Typischer Fehler
Die zusätzliche Übernachtung wird zum Wackelkandidat, der je nach Woche verschoben wird. Für Kinder ist ein fester Tag mehr wert als ein flexibler. Schreibt ihn auf und haltet ihn.
Beispiel 3: Wechselmodell
So sieht es aus
Die Kinder verbringen ungefähr gleich viel Zeit in beiden Haushalten. Bei Grundschulkindern oft im Wochenrhythmus mit Übergabe am Freitag, bei Kleinkindern häufiger in kürzeren Abständen, damit kein Elternteil zu lange fehlt.
Für die Kinder
Zwei vollwertige Zuhause, aber auch zwei Zahnbürsten, zwei Sets Hausschuhe und das ewige „Das liegt bei Papa“. Funktioniert gut, wenn beide Wohnungen nah an Schule oder Kita liegen und die Eltern sich ohne Streit absprechen. Der Bundesgerichtshof hat 2017 betont, dass dieses Modell eine funktionierende Kommunikation der Eltern voraussetzt. Mehr dazu und zu neuen Partnerschaften in diesem Modell steht auf der Seite Wechselmodell und neue Beziehung.
Für dein Privatleben
Planbar wie kein anderes Modell. Du weißt Monate im Voraus, welche Wochen frei sind. Schwierig wird es, wenn die Person, die du kennenlernst, genau den entgegengesetzten Wechsel hat. Dann seht ihr euch womöglich nur an Übergabetagen.
Typischer Fehler
Alles Soziale in die freie Woche quetschen und in der Kinderwoche niemanden sehen. Nach ein paar Monaten fühlt sich die Kinderwoche isoliert an und die freie Woche gehetzt.
Beispiel 4: Nestmodell
So sieht es aus
Die Kinder bleiben in der Familienwohnung, die Eltern wechseln sich dort ab. Jeder Elternteil braucht zusätzlich einen Ort für die Zeit ohne Kinder, etwa eine kleine Wohnung, die manchmal sogar beide abwechselnd nutzen.
Für die Kinder
Am wenigsten Umstellung: gleiches Zimmer, gleicher Schulweg, gleiche Nachbarskinder. Viele Familien nutzen das Nestmodell als Übergang direkt nach der Trennung.
Für dein Privatleben
Das komplizierteste Modell für eine neue Beziehung. Die Familienwohnung bleibt ein gemeinsamer Ort beider Ex-Partner, und eine neue Person dort ist für alle heikel. Wenn ihr im Nestmodell lebt, trefft euch in der eigenen Zweitwohnung oder auswärts, und sprecht offen darüber, wie lange das Modell noch laufen soll.
Die Zweitwohnung ist oft der teuerste Teil des Nestmodells. Manche Eltern teilen sich deshalb eine Wohnung mit anderen Alleinerziehenden. Im Bereich Geteiltes Nest von PAM bieten Mütter und Väter solche Wohngemeinschaften an oder suchen danach.
Typischer Fehler
Keine Regeln für die gemeinsame Wohnung festlegen: Wer kauft ein, wer putzt, wer darf Besuch mitbringen. Was ungeregelt bleibt, wird zum Streitpunkt, sobald einer von euch jemanden kennenlernt.
Woran du das richtige Modell erkennst
- Rechne die Wege. Wie lange braucht ein Kind von jeder Wohnung zu Schule, Kita oder Verein, an einem normalen Werktag?
- Schau auf das Alter. Kleine Kinder brauchen kürzere Abstände, Jugendliche wollen mitreden und haben eigene Termine.
- Prüf eure Gesprächsbasis. Können du und der andere Elternteil eine Woche voller Absprachen ohne Streit durchstehen?
- Denk an die Ferien. Sie unterscheiden sich je nach Bundesland, die Termine stehen im Ferienkalender der KMK. Wenn ein Elternteil in einem anderen Land wohnt, braucht ihr eine eigene Ferienregel.
- Schreib es auf. Eine schriftliche Vereinbarung, auch eine einfache, verhindert Missverständnisse.
Wenn ihr euch nicht einigt: Eltern und Kinder haben nach § 18 Abs. 3 SGB VIII Anspruch darauf, dass das Jugendamt sie beim Umgang berät und unterstützt. Für eine verbindliche Regelung bei Streit ist das Familiengericht zuständig, vorher lohnt sich oft eine Mediation oder ein Termin bei einer Fachanwältin für Familienrecht.
Und was hat das mit Dating zu tun?
Mehr als man denkt. Dein Modell bestimmt, wann du Zeit hast, und das Modell der anderen Person bestimmt ihre. Im Sorgerechtskalender von PAM trägst du deine Regelung ein, egal welches Modell, und siehst bei anderen Profilen direkt, wie gut sich eure Wochen überschneiden. Das ist kein romantisches Kriterium, aber es entscheidet, ob ihr euch einmal pro Woche oder einmal pro Monat sehen könnt.
Wie ein Vater im Residenzmodell das im Alltag löst, zeigt das Tagebuch Alleinerziehender Vater und Dating. Wer in einer teuren Stadt über ein Nestmodell oder eine Wohngemeinschaft nachdenkt, findet Ideen auf Alleinerziehende in München. Wie PAM getrennte Eltern zusammenbringt, erklärt die Übersicht PAM für Alleinerziehende.
Jetzt PAM laden →Häufige Fragen
- Welche Umgangsregelung ist die häufigste?
- Sehr verbreitet ist das Residenzmodell, bei dem die Kinder bei einem Elternteil wohnen und den anderen jedes zweite Wochenende sowie oft an einem Nachmittag sehen. Ob es zu eurer Familie passt, hängt von Alter, Wegen und eurer Gesprächsbasis ab.
- Muss eine Umgangsregelung schriftlich sein?
- Nicht zwingend. Eine schriftliche Vereinbarung beugt aber Missverständnissen vor, gerade bei Ferien und Feiertagen. Das Jugendamt kann euch dabei unterstützen.
- Was passiert, wenn sich Eltern nicht auf eine Umgangsregelung einigen?
- Dann können sie sich beim Jugendamt oder in einer Mediation beraten lassen. Kommt keine Einigung zustande, entscheidet das Familiengericht. Für deinen Fall hilft eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt für Familienrecht.
- Kann man eine Umgangsregelung später ändern?
- Ja, Eltern können ihre Absprachen jederzeit gemeinsam anpassen, etwa wenn die Kinder in die Schule kommen oder jemand umzieht. Bei gerichtlichen Regelungen lass dich vor Änderungen beraten.
- Welches Modell lässt am meisten Zeit für eine neue Beziehung?
- Das Wechselmodell ist am besten planbar, das Residenzmodell gibt dem Umgangselternteil viel freie Zeit. Entscheidend ist, wie gut dein Rhythmus zu dem der anderen Person passt.