Besuchswochenende und Liebesleben: zwei Wochen Tag für Tag

Jedes zweite Wochenende gehört den Kindern. So findet eine neue Beziehung Platz, ohne dass die Besuchstage darunter leiden.

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Kurz gesagt: Wer die Kinder im Rahmen des persönlichen Verkehrs vor allem am Wochenende sieht, hat ein freies Wochenende für sich und eines, das unantastbar ist. Dates gehören in die Werktage und ins freie Wochenende, nie in die Besuchstage. Der heikelste Moment ist nicht der Freitag, sondern der Sonntagabend danach.

Wenn du deine Kinder jedes zweite Wochenende siehst, passt eine neue Beziehung am besten in die Werktage und in das Wochenende ohne Kinder, und die Besuchstage bleiben ganz den Kindern. Das klingt streng, ist aber der Grund, warum es auf Dauer funktioniert. Wie das konkret aussieht, zeigen diese zwei Wochen, Tag für Tag. Es ist keine Vorlage, sondern ein Rhythmus, den viele getrennte Eltern in der Schweiz kennen.

Kurz zum Begriff: Was im Alltag „Besuchsrecht“ heisst, nennt das Gesetz persönlichen Verkehr. Er ist in Art. 273 des Zivilgesetzbuchs geregelt (ZGB auf fedlex). Wie oft und wann er stattfindet, legen die Eltern fest, oder bei Uneinigkeit das Gericht beziehungsweise die KESB. Bei Fragen zu deiner Regelung hilft eine Familienberatung, eine Mediation oder eine Anwältin.

Woche 1: das Besuchswochenende kommt

Montag

Ein normaler Arbeitstag. Am Abend schreibst du der Person, die du seit zwei Wochen kennst, und schlägst ein Treffen am Mittwoch vor. Nicht am Freitag. Der Freitag dieser Woche gehört schon den Kindern, auch wenn sie erst um sechs ankommen. Du willst nicht mit dem Kopf noch beim Date sein, wenn du am Bahnhof wartest.

Dienstag

Du klärst mit dem anderen Elternteil per Nachricht die Übergabe: wer bringt, wer holt, was ist mit dem Schwimmtraining am Samstag. Kurz und sachlich. Das ist auch ein guter Tag, um einkaufen zu gehen, damit am Freitag der Kühlschrank voll ist und nicht du am Samstagmorgen mit zwei Kindern im Laden stehst.

Mittwoch

Das Date. Ein Spaziergang nach der Arbeit, eine Stunde, vielleicht etwas länger. Du erzählst, dass am Wochenende die Kinder kommen und du dann kaum erreichbar bist. Die meisten Menschen finden das nicht abschreckend, sondern verlässlich. Wer damit Mühe hat, zeigt es dir lieber jetzt.

Donnerstag

Du richtest das Kinderzimmer, das unter der Woche oft auch Büro oder Gästezimmer ist. Das Bett frisch bezogen, das Lieblingsbuch auf dem Kissen. Kleinigkeiten, die den Kindern zeigen: Hier ist auch dein Zuhause.

Freitag

Sechs Uhr abends, Perron, die Kinder steigen mit Rucksack aus dem Zug. Ab jetzt ist das Natel in der Tasche. Eine kurze Nachricht an die neue Person, „Kinder sind da, ich melde mich Sonntagabend“, genügt. Kein Chatten unter dem Tisch beim Znacht.

Samstag

Das Schwimmtraining, danach ein Ausflug. Wenn du solche Tage nicht immer allein mit den Kindern verbringen willst, kannst du in PAM unter Ausflüge schauen, ob andere Eltern in der Gegend etwas planen, ein Picknick oder eine Wanderung. Kinder spielen, Erwachsene reden, und niemand muss erklären, warum man allein unterwegs ist.

Sonntag

Der schwerste Tag. Gegen Abend fährt der Zug zurück, voll mit Studierenden, Rekruten und anderen Eltern, die genau das Gleiche machen. Danach ist die Wohnung still. Viele Väter und Mütter mit Besuchsrecht kennen das Loch nach dem Abschied. Genau in diesem Moment ist die Versuchung gross, der neuen Person lange Nachrichten zu schreiben oder spontan ein Treffen vorzuschlagen, nur um nicht allein zu sein.

Lass das. Eine kurze Nachricht ist schön, ein Gespräch über deine Traurigkeit kann warten, bis du die Person besser kennst. Für den Abend selbst hilft etwas, das dich ruhiger macht: ein Spaziergang, ein Bad, oder die Übungen in Bulle Zen, dem Bereich für Wohlbefinden in PAM.

Woche 2: das freie Wochenende

Montag und Dienstag

Du rufst die Kinder am Montagabend kurz an, so wie ihr es vereinbart habt. Danach hast du den Kopf frei. Am Dienstag schaust du mit der neuen Person, wann ihr euch am Wochenende sehen könnt. Hat sie selbst Kinder, beginnt jetzt das Puzzle: Ist ihr freies Wochenende dasselbe wie deines? Diese Frage beantwortet der Sorgerechtskalender in PAM, weil er eure beiden Pläne vergleicht und die gemeinsamen freien Tage anzeigt. Manchmal passt es genau, manchmal nie, und das ist besser früh zu wissen.

Mittwoch

Am Mittwochnachmittag sehen viele Eltern mit Besuchsrecht die Kinder zusätzlich, wenn die Schule frei hat und die Distanz es zulässt. Falls das bei dir so ist, gilt dasselbe wie am Wochenende: Diese Stunden sind nicht verhandelbar.

Donnerstag

Ein zweites Treffen unter der Woche, oder auch nicht. Du musst die freien Tage nicht füllen, nur weil sie frei sind. Gerade am Anfang tut es gut, auch einen Abend nur für dich zu haben.

Freitag bis Sonntag

Das freie Wochenende. Wenn es gut läuft, verbringt ihr einen Tag zusammen, vielleicht eine Wanderung oder eine Velotour entlang eines Sees. Den anderen Tag behältst du für dich, für Freunde, Wäsche, Schlaf. Wer jedes freie Wochenende komplett mit der neuen Beziehung füllt, erlebt das Besuchswochenende danach als Bruch. Ein Rhythmus mit Luft hält länger.

Was diese zwei Wochen zeigen

Der Fehler, der am meisten schadet

Die neue Person spontan ins Besuchswochenende holen, „nur kurz zum Zmittag“. Für dich ist es ein harmloses Treffen, für die Kinder ist es die knappe Zeit mit dir, die plötzlich geteilt wird. Gerade wenn sie dich nur alle zwei Wochen sehen, merken sie das sofort. Wenn die Beziehung ernst wird, plant ihr ein erstes Kennenlernen bewusst und kurz, und du sprichst vorher mit dem anderen Elternteil. Mehr dazu, wie das bei abwechselnder Betreuung aussieht, findest du im Text über alternierende Obhut und eine neue Liebe.

Wenn die Kinder weit weg wohnen

Viele Eltern mit Besuchsrecht pendeln quer durchs Land, etwa wenn ein Elternteil nach der Trennung in einen anderen Kanton gezogen ist. Dann wird der Zug zur festen Grösse im Leben. Plane Dates nicht so, dass du am Freitag noch schnell jemanden triffst und dann den Zug verpasst. Und rechne damit, dass die Schulferien in zwei Kantonen nicht gleich liegen. Die Daten findest du auf den offiziellen Websites der Kantone.

Wo du anfangen kannst, wenn du gerade erst wieder offen für jemanden bist, steht im Leitfaden für Alleinerziehende in der Schweiz. Wie es in einer grossen Stadt mit langen Arbeitstagen läuft, liest du auf der Seite zu Alleinerziehenden in Zürich. Und was PAM für getrennte Eltern anbietet, findest du unter Dating-App für Alleinerziehende.

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Häufige Fragen

Ist Besuchsrecht dasselbe wie persönlicher Verkehr?
Ja, im Alltag sagt man meist Besuchsrecht, das Gesetz spricht vom persönlichen Verkehr nach Art. 273 ZGB. Wie er konkret aussieht, vereinbaren die Eltern oder es entscheiden Gericht oder KESB.
Darf ich am Besuchswochenende ein Date haben?
Niemand verbietet es dir, aber es lohnt sich nicht. Die Kinder sehen dich nur an diesen Tagen. Leg Dates in die Werktage oder ins freie Wochenende.
Wie gehe ich mit dem leeren Sonntagabend um?
Plane ihn bewusst: ein Spaziergang, ein Telefonat mit einer Freundin, etwas, das dich beruhigt. Vermeide es, die Leere mit langen Nachrichten an eine neue Bekanntschaft zu füllen.
Wann soll die neue Person meine Kinder kennenlernen?
Erst wenn die Beziehung ernst ist, und dann kurz und geplant. Sprich vorher mit dem anderen Elternteil, damit die Kinder es nicht als Überraschung erleben.
Was, wenn unsere freien Wochenenden nie zusammenpassen?
Dann bleiben die Werktage. Vergleicht eure Pläne früh, etwa mit einem gemeinsamen Kalender. Manchmal lässt sich mit dem anderen Elternteil ein Wochenende tauschen, aber verlass dich nicht darauf.

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